Der Pate 3










- Veröffentlichung21.02.1991
- RegieFrancis Ford Coppola
- ProduktionVereinigte Staaten (1990)
- IMDb Rating7/10 (331738) Stimmen
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Während Fortsetzungen von Kassen-Erfolgen im allgemeinen eher skeptisch erwartet werden - und meistens auch weder künstlerisch noch geschäftlich an das Original heranreichen -, profitierte "Der Pate III" schon während seiner Entstehung vom legendären Ruf seiner Vorgänger. Immerhin hatten die 1972 und 1974 entstandenen ersten beiden Teile ( (fd 17966)/19 489) das US-Kino aus seiner wirtschaftlichen Talsohle herausgeführt und neue Maßstäbe in den "box-office"-Hitlisten gesetzt. Für ein Vielfaches der Herstellungskosten des ersten Teils (5 Mio. Dollar) ließ sich Coppola nach 16 Jahren zu einer zweiten Fortsetzung "überreden": Offiziell hat "Der Pate III" 54 Mio. Dollar verschlungen, Insider sprechen gar von nahezu 100 Mio. Dollar. Aber selbst die hätte er schon nur in den USA fast wieder eingespielt. Coppola bringt nun, wie er behauptet, die seit "Vom Winde verweht" größte Familiensaga des US-Kinos zu ihrem Abschluß. Man kann nur hoffen, daß es ihm und "Paramount" damit ernst ist, denn im Grunde sind die Corleones in der (Medien-)Realität längst von den Ewings in "Dallas" und dem "Dynasty"-Clan um Joan Collins abgelöst worden, wo Familien nicht mehr heilig sind.
New York 1979. Der Don ist müde geworden. Michael Corleone, der vor 20 Jahren seinen Bruder Fredo ermorden ließ, hat sich mittlerweile aus dem Glücksspiel- und Drogengeschäft zurückgezogen, die "Familie" ausbezahlt. Nun will er das Vermögen des Clans legalisieren, steigt bei einem europäischen Immobilien-Multi ein, an dem auch die Vatikan-Bank beteiligt ist. Eine Million-Dollar-Spende an die Hintermänner im Vatikan, getarnt als Entwicklungshilfe für Sizilien, bringt ihm einen päpstlichen Orden und die Reputation bei seinen katholischen Partnern ein. Nun muß er noch mit seinem internen Widersacher, dem Gebiets-Boß Joey Zasa fertig werden, der gegen Absprache Drogen an Kinder verkauft und am liebsten die guten alten Bandenkrieg-Zeiten wieder aufleben lassen möchte. Nachdem Michael knapp einem Mordanschlag Joeys entkommen ist, erledigt dies sein jähzorniger Neffe Vincent in traditioneller Mafia-Manier für ihn. Aber auch mit Vincent gibt es Ärger. Dieser hat sich in Michaels Tochter Mary verliebt, die Erbin des Familienvermögens. Und zu allem Überfluß will auch Michaels Sohn Anthony die traditionellen Familienpfade verlassen und Opernsänger werden. Seine Ex-Frau Kay ringt ihm schließlich das Versprechen ab, Anthonys Wunsch zu akzeptieren. Vincent aber untersagt er kategorisch, seine Tochter weiter zu treffen, möchte er sie doch nicht schon bald als Witwe sehen. Das Geschäft mit dem Immobilien-Trust verzögert sich immer wieder, Michael ahnt unselige Verquickungen zwischen alten Mafia-Seilschaften, italienischen Politikern und der Vatikan-Bank. Als er mit seiner Familie nach Sizilien reist, um der Opern-Premiere seines Sohnes beizuwohnen, unterrichtet er Kardinal Lamberto von seinen Verdachtsmomenten. Als Lamberto kurze Zeit später zum Papst gewählt wird und eine Untersuchung der Machenschaften der Vatikan-Bank anordnet, sticht er in ein Wespennest. Die Hintermänner, angeführt von Michaels altem Weggefährten und Ratgeber Don Altobello, beschließen, den Don und den Papst zu töten. Während der Papst einem Giftanschlag zum Opfer fällt, überlebt Michael den Anschlag, bei dem seine Tochter erschossen wird. Gebrochen zieht er sich, der vorher schon Vincent zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, aufs Land zurück und stirbt wenig später in seiner Heimat Sizilien. Die Titelmusik aus dem ersten Teil des mittlerweile verstorbenen Nino Rota stimmt gleich zu Beginn auf die Corleone-Familie ein. Und auch die in gedecktem gold-braun fotografierten Bildkompositionen knüpfen nahtlos an die Stimmung der ersten Teile an. Man fühlt sich dazugehörig bei der ausladend inszenierten Familienfeier, mit der Coppola seinen Film beginnt. Coppola nimmt sich Zeit, die alten Gesichter wiederzuentdecken und die neuen zu verinnerlichen. Ruhig bewegt sich die Kamera durch die Räume wie durch eine Landschaft. Ab und an spielt er auch ein wenig mit den Topoi des Genres, wenn er sie gegen die Erwartungshaltung der Zuschauer inszeniert: so springen aus der überdimensionalen Torte eben nicht die Meuchelmörder oder spärlich bekleidete Show-Girls - sie dient einzig und allein dem Verzehr. Andererseits tappt er selbst in die Klischee-Fallen und entwickelt allzu voraussehbar aus einer Prozession in New Yorks Little Italy ein schauriges Massaker. Völlig überraschend, durch einen harten Schnitt eingeleitet, kommt dann der Hubschrauber-Angriff auf den Don in Atlantic-City - offensichtlich eine Reminiszenz an den Hubschrauber-Angriff in "Apokalypse now". Daß der Film nach dem familiären Auftakt ein wenig durchhängt, liegt vor allem daran, daß Coppola an jene Zuschauer dachte, denen die ersten beiden "Paten"-Filme nicht bekannt sind. Allzu breit werden noch einmal die Familienverhältnisse ausgewalzt, verliert sich Coppola in Nebenhandlungen. Zudem bleiben manche Figuren wie Michaels Ex-Frau Kay und ihr gemeinsamer Sohn Anthony äußerst blaß. Seltsam unentschlossen ist Coppola auch, wenn er die fiktive Geschichte mit dem realen Bank-Skandal im Vatikan und den rätselhaften Toden des "Gottes-Bankiers" Robert Calvi und von Papst Johannes Paul I. mischt. Auch wenn einer der Hintermänner von der Physiognomie an den damaligen italienischen Ministerpräsidenten Andreotti erinnert - mehr als diese Andeutung erlaubt sich Coppola nicht. Er ist einfach zu verliebt in "seine" Corleone-Familie, die er fast zu seiner eigenen macht: seine eigene Schwester spielt Michaels Schwester und seine Tochter die von Michael. Während Talia Shire seinem Bemühen um eine tragische Dimension der Familienverwicklungen - Copolla brachte den Vergleich mit Shakespeares Königsdramen - noch am ehesten gerecht wird und in ihrer heimtückisch-mordlüsternen Art fast einer mordenden Lady Macbeth gleicht, wirkt Sofia Corleone ungemein blaß. Zu allem Überfluß ist ihr Gegenüber der vor beängstigender verbrecherischer Energie fast berstende Yuppie-Mafioso Andy Garcia. Warum sich ausgerechnet dieser Aufsteiger-Typ in die farblose Paten-Tochter verliebt, bleibt unerfindlich. Schauspielerische Glanzstücke liefern Eli Wallach als "Freund mit dem Dolche im Gewand" und der in einer geradezu widerlich aufreizenden Zuhälter-Manier auftretende Joe Mantegna. Al Pacino in der Titelrolle hat seine Ausstrahlung hauptsächlich dem ausgezeichneten Maskenbildner zu verdanken, während er ansonsten allzu bemüht in minimaler Gestik und heiserer Stimme (im Original) seinem Vorgänger Marion Brando Referenz erweist. Nur wenn er außer sich gerät, kommt Leben in diesen "kleinen, großen" Schauspieler. Wäre da nicht das furios geschnittene, an Hitchcocks "Der Mann, der zuviel wußte" erinnernde Finale, in dem Coppola den Mordversuch an Michael Corleone in der Oper von Palermo mit Szenen aus dem Auftritt seines Sohnes in "Cavalleria Rusticana" und den Meuchelmorden im Vatikan unterlegt, man ginge recht unbefriedigt aus dieser Familienmär um Macht und Geld. Zu allem Überfluß stirbt das Familienoberhaupt in der Schlußeinstellung auch noch wie Achenbach in Luchino Viscontis "Tod in Venedig". 16 Jahre nach dem letzten "Paten" hätte man von Coppola ein wenig mehr an Reflexion über den nicht gerade zimperlichen Familien-Clan erwarten dürfen, zumal er selbst bekundete, "Gewalt zu hassen". Aber mehr als die von Michael Corleone verkündete zweifelhafte Botschaft, daß es gefährlich sei, ehrlich zu sein, ist bei Coppolas letztlich verklärtem, opernhaft-naivem Familien-Tableau nicht herausgekommen.

