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Diamanti

135 minDrama, KomödieFSK 12
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Ein Regisseur versammelt seine liebsten Schauspielerinnen – die, mit denen er bereits gearbeitet hat, und die, die er geliebt hat. Er möchte einen Film über Frauen machen, erzählt ihnen jedoch nicht viel darüber. Stattdessen beobachtet er sie, lässt sich von ihnen inspirieren, bis seine Fantasie sie in eine andere Zeit katapultiert: in eine Vergangenheit, in der das Dröhnen der Nähmaschinen einen von Frauen bestimmten Arbeitsplatz erfüllt, in der Männer nur Nebenrollen spielen und das Kino eine neue Sichtweise bekommt – nämlich die der Kostüme. Zwischen Einsamkeit, Leidenschaft, Sehnsüchten, schmerzlicher Abwesenheit und unerschütterlichen Bindungen vermischen sich Realität und Fiktion. Die Leben der Schauspielerinnen und ihrer Figuren, Konkurrenz und Solidarität, Sichtbares und Unsichtbares gehen ineinander über.
  • Veröffentlichung03.09.2026
  • Ferzan Ozpetek
  • Italien (2024)
  • 6.7/10 (2840) Stimmen

Der Filmemacher Ferzan Özpetek plant einen neuen Film. Das ist der Ausgangspunkt von „Diamanti“, in dem Özpetek nicht nur für Drehbuch und Regie verantwortlich ist, sondern auch selbst vor die Kamera tritt. Zur Vorbereitung hat er zu einem Essen eingeladen. 18 Frauen, die er schätzt und liebt. Schauspielerinnen wie Luisa Ranieri, Jasmine Trinca, Kasia Smutniak und Carla Signoris, mit denen er schon gearbeitet hat, aber auch Vanessa Scalera und Mara Venier und einige andere, die er für diesen Film zum ersten Mal engagieren möchte. Man trifft sich auf einer Gartenterrasse in Rom. Die einen kennen sich bereits, andere bislang noch nicht. Die Runde unterhält sich angeregt und isst zusammen, bis Özpetek irgendwann das Wort ergreift. Er erklärt in wenigen Sätzen, was ihm in seinem neuen Film vorschwebt und wem er welche Rolle zugedacht hat. Danach verteilt er Auszüge des Drehbuchs und bittet die Anwesenden, sich in ihre Rollen einzulesen, was in eine murmelnde Stille mündet.

Erfahrungen aus Kostümateliers

Die Stimmung ist wie in vielen Özpetek-Filmen, etwa in „Hamam“ oder „Männer al dente“, freundschaftlich locker. Wie die meisten seiner Werke ist auch „Diamanti“ von Özpeteks Biografie inspiriert, als er in den 1980er-Jahren als Regieassistent vielen der über Rom verstreuten Kostümateliers einen Besuch abzustatten hatte. „Diamanti“ spielt mit den Erinnerungen an diese Erfahrungen. Der dabei entstehende Film-im-Film ist im Jahr 1974 in einem auf Film- und Bühnenkostüme spezialisierten Schneideratelier angesiedelt, das von den Schwestern Alberta und Gabriella geleitet wird. Unter den Angestellten finden sich neben einem Laufburschen Schneiderinnen, Näherinnen und Stickerinnen, aber auch eine Tuchfärberin und eine Köchin, die nicht nur fürs leibliche Wohl und den Kaffee zwischendurch zuständig ist, sondern nebenbei als gute Seele wirkt.

Nach dem einführenden Treffen wechselt „Diamanti“ unmittelbar zum Film-im-Film. Die in der ersten Szene unter ihrem eigenen Namen vorgestellten Schauspielerinnen treten nun in den Rollen und mit den Namen der von ihnen verkörperten Personen auf. Die Handlung setzt an dem Tag ein, als die „Oscar“-gekrönte Kostümdesignerin Bianca Vega (Vanessa Scalera) ins Atelier stürmt und kurz vor Drehbeginn die Kostüme für einen im 18. Jahrhundert spielenden Historienfilm in Auftrag gibt. Ihre Entwürfe sind fantastisch, doch das Atelier ist mit einem Auftrag für Theaterkostüme bereits ausgelastet. Dennoch können es sich Alberta (Luisa Ranieri) und Gabriella (Jasmine Trinca) nicht leisten, den Auftrag abzulehnen. Also schaltet man einen Gang höher, reißt sich zusammen und beginnt, Überstunden zu machen.

Wie eine Gruppe von Frauen zusammenarbeitet

Im Unterschied zu vielen Filmen, die berühmten Designern gewidmet sind und in denen Schneiderateliers und die Arbeit an Kleidern meist im Zentrum stehen, dient dies in „Diamanti“ als Hintergrund für etwas ganz anderes: die Schilderung des Funktionierens einer Gruppe zusammen arbeitender, teilweise auch privat miteinander befreundeter Frauen. Ihre Charaktere, Eigenschaften und Lebenssituationen. Die Dramen, Traumata, Wünsche und Hoffnungen, über die sie manchmal während der Arbeit, meist aber in den Pausen miteinander reden und die ihren Zusammenhalt über die Arbeit hinaus prägen. Die finanzielle Not einer Alleinerziehenden, die ihren kleinen Sohn manchmal heimlich mit ins Atelier bringt, weil sie kein Geld für eine Betreuung hat. Die Blessuren und blauen Flecken einer Kollegin, die von den Gewalttätigkeiten ihres Mannes zeugen. Eine Mutter, die sich um ihren Teenager-Sohn sorgt, der sich seit Monaten in seinem Zimmer verschließt und jedes Gespräch ablehnt. Die Einsamkeit einer Geschiedenen, die ewig lähmende Trauer über ein verlorenes Kind, die tiefe Verletzung über eine vor Jahren ohne Erklärung abgebrochene Beziehung.

Es ist viel, was der Film neben dem zunehmenden Arbeitsdruck und Stress im Atelier aufgreift. Wenn man in der bildenden Kunst nach Vergleichen suchen würde, fände man diese in den Wimmelbildern von Pieter Bruegel dem Älteren oder Hieronymus Bosch, die in ihren Tableaus eine Vielzahl solcher kurzer Situationsschilderungen vereinigen. Auch Özpetek tippt die Situationen, Schwierigkeiten und Probleme einzelner Figuren, aus denen sich jeweils ein ganzer Film drehen ließe, bloß kurz an. Um die helfende Kraft von (weiblicher) Solidarität und Freundschaft zu beweisen, genügt in den meisten Fällen ein kurzes Gespräch oder ein kleiner Tipp, um die Situation ins Bessere zu wenden. Doch obwohl in „Diamanti“ viel gesprochen und besprochen wird, findet eine vertiefende Auseinandersetzung mit all dem, was dabei thematisiert wird, kaum statt. Das wirkt im Nachgang etwas enttäuschend. Während des Films wird das allerdings übertüncht vom quirlig wuselnden Treiben im Atelier und der Freude, die herrscht, als die Frauen am Ende alle Aufträge zufriedenstellend erledigt haben.

Ode ans Handwerk der Kostümschneiderei

„Diamanti“ ist schwungvoll inszeniert und kurzweilig. Luisa Ranieri und Jasmine Trinca überzeugen in den Rollen von Alberta und Gabriella als durch ihre Schicksale voneinander entfremdete Schwestern, die allmählich wieder zusammenfinden. Mara Venier verbreitet als Köchin wohltuende Mütterlichkeit, und die von Vanessa Scalera energievoll gespielte Kostümdesignerin schwankt zwischen Überschwang und Selbstzweifel. Der Film ist eine kleine Ode ans Handwerk der Kostümschneiderei und eine sentimentale Erinnerung von Fernan Özpetek an eine Zeit, in der Filme noch analog funktionierten. Aber auch eine flammende Liebeserklärung an selbstbewusste Frauen, insbesondere Schauspielerinnen. Der in „Diamanti“ entstehende Film endet denn auch im rauschenden Rot des finalen Kostüms.

„Diamanti“ selbst hingegen, dessen Titel eine Metapher auf die unzerbrechliche Stärke der Schauspielerinnen ist, zeigt seinen Regisseur im Epilog in den nun leeren Räumen, in denen der Film-im-Film gedreht wurde. Und endet mit einer Widmung an die Darstellerinnen Mariangela Melato, Virna Lisi und Monica Vitti, mit denen Özpetek gern gearbeitet hätte.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDiamantiVon: Irene Genhart (24.8.2026)
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