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Filmkritik
„Frühstück bei Audrey“ – der deutsche Verleihtitel ist natürlich eine freche Schlitzohrigkeit, zum einen, weil hier gar nicht gefrühstückt wird, zum anderen, weil der Zauber von Audrey Hepburn und die Eleganz von Blake Edwards’ Inszenierung in „Frühstück bei Tiffany“ doch eine Nummer zu groß sind für diese leichtgewichtige Komödie. Im französischen Original heißt der Film einfach „La poupée“, die Puppe also, und ist damit bei ganz anderen Vorbildern angelangt, von E.T.A. Hoffmanns Olympia in „Der Sandmann“, über Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von 1881 und der gleichnamigen Filmfassung von Michael Powell und Emeric Pressburger von 1951 bis zu Ernst Lubitschs „Die Puppe“ (1919). Die Puppe ist bei Lubitsch die ideale Frau, deren Künstlichkeit man gern übersieht, weil sie so schön und liebenswert ist, sie ist die praktische Frau, weil sie kaum spricht, ohne Unterlass tanzt und den Haushalt schmeißt. In dem Film „Lars und die Frauen“ (2007) hat die Puppe die Lebensgefährtin längst ersetzt.
Heute leben wir in anderen Zeiten, da darf eine Puppe auch mal Unzufriedenheit äußern, zum Beispiel über monotone Küchendienste oder Langeweile nach getaner Arbeit. Doch vielleicht tut man dem Film zu viel Ehre an, wenn man anspielungsreiche Bezüge herstellen oder ihn mit Anspruch aufwerten will. Regisseurin und Drehbuchautorin Sophie Beaulieu möchte vor allem unterhalten, und dafür erfindet sie eine absurde Prämisse.
Die Puppe als perfekte Partnerin
Im Mittelpunkt: Rémi, dargestellt von Vincent Macaigne, der sich mit Filmen wie „Tagebuch einer Pariser Affäre“ auf tollpatschige, schüchterne und vielleicht darum besonders liebenswerte Männerfiguren spezialisiert hat. Rémi ist Vertreter für Kunstrasen – der erste Hinweis darauf, dass ihn fabrizierte Dinge mehr interessieren als natürliche. Zum Abendessen gibt es aufgewärmte Fertiggerichte, im Fernsehen schaut er bevorzugt Dokus über den Zweiten Weltkrieg. Neben ihm sitzt Audrey und sagt kein Wort. Sie ist eine Puppe – und somit nach Rémis traumatischer Trennung von seiner großen Liebe nun die perfekte Partnerin, um weiterem Kummer vorzubeugen. Vor seinen Kollegen gibt er mit Audrey ordentlich an, nur vorgestellt hat er sie ihnen noch nicht – wie denn auch?
Da stürmt eine neue Mitarbeiterin mit fröhlichem Lachen und wippender Lockenpracht ins Büro: Patricia, gespielt von Cécile de France, die viel Charme und Lebensfreude in ihre Rolle einbringt. Patricia bringt Rémi gehörig durcheinander, so ganz geheuer ist ihm die schöne, zugewandte Frau nicht. Etwas aber scheint sie auszulösen: Plötzlich erwacht Audrey, die steife Puppe, zum Leben. Doch wie benimmt man sich als Mensch?
Die Geschichte einer doppelten Menschwerdung
„Frühstück bei Audrey“ ist also die Geschichte einer Menschwerdung, nicht nur der Puppe, sondern auch des Mannes, der lernen muss, seinen Liebeskummer zu überwinden und sich wieder anderen zuzuwenden. Doch so richtig mag sich die Regisseurin nicht mit den Abgründen ihrer fantastischen Prämisse beschäftigen, für die es zudem keine Erklärung gibt. Ihr Film kommt viel zu brav und versöhnlich daher, das Frauenbild, das mit der Puppe als pflegeleichter Partnerin seine wohl perfideste Form zeigt, hinterfragt sie kaum – auch wenn sich Audrey gelegentlich über Sinnlosigkeit und Monotonie des Hausfrauendaseins beschweren darf.
Die Witze, etwa, wenn sich die lebendige Audrey in ihrer neuen Umwelt falsch bewegt oder unziemlich benimmt, zünden kaum. Da hätte man der Regisseurin mehr Mut, mehr Frechheit und mehr Zügellosigkeit gewünscht. Über das Zusammenleben der Geschlechter hat Beaulieu erstaunlich wenig zu sagen. Und das ist dann doch eine große Enttäuschung.









