Maleficent - Die dunkle Fee










- Veröffentlichung29.05.2014
- RegieRobert Stromberg
- ProduktionVereinigte Staaten (2014)
- IMDb Rating7/10 (311641) Stimmen
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Wie interessant (und spaßig) es sein kann, hinter die Fassade einer als böse geltenden Märchenfigur zu blicken, hat der Oger „Shrek“ mit Erfolg bewiesen. Angelina Jolie tritt nun als mit Wangenknochen bewehrte, grünäugige Fee in seine Fußstapfen - allerdings mit durchmischtem Resultat. Im Groben geht es in „Maleficent – Die dunkle Fee“ um Dornröschen, jene schöne, unschuldige Königstochter, die von einer bösen Macht verflucht wird, sich an einer Spindel stechen und den ewigen Schlaf schlafen muss, bis ein Kuss als Ausdruck wahrer Liebe jenen Bannfluch beenden wird. So sieht jedenfalls die eine Seite der Medaille aus. Die andere lässt die Geschichte in einem anderen Licht schimmern – und die wird nun in „Maleficent“ präsentiert. Wer verbirgt sich hinter der bösen Macht, was waren ihre Beweggründe? Gäbe es mildernde Umstände zu bedenken, die sie weniger verdammenswert erscheinen lassen? Und ist die vielleicht vorschnell als böse Hexe verschriene Fee Maleficent (Malefiz) vielleicht selbst ein Opfer von (Märchen-)Geschichtsklitterung? Drehbuchautorin Linda Woolverton begeht denselben „Fehler“ wie die Gebrüder Grimm, indem sie sich ganz auf die Seite einer Figur schlägt, die andere Seite aber weitgehend aus dem Fokus verbannt; was hier zur Folge hat, dass das elterliche Königspaar sowie der Prinz, der zum Wachküssen kommen soll, blass, konturenlos, ja überflüssig und ihre Motivationen völlig im Diffusen bleiben. Erzählt wird – und das ist zunächst interessant – aus der Jugendzeit der Flügel-Fee Maleficent, die einst als gutes Wesen den Zauberwald beseelte und dazu bestimmt war, die mächtigste Vertreterin und Beschützerin des Reichs zu werden. Menschen habe hier eigentlich nichts zu suchen. Doch in ihrer unendlichen Güte (und Neugier), begeht das Mädchen den Sündenfall: Anstatt den eindringenden diebischen Menschenjungen zu bestrafen, entwickelt es Gefühle für ihn. Er wird ihm ständiger Begleiter, sein Freund und mehr. Durch Stefan erfährt es, was Liebe ist – aber auch, dass ein Kuss das Herz brechen kann, wenn er aus niederen Gründen gegeben wird. Hier kommt es zum doppelten Knackpunkt der Geschichte: Die enttäuschte, dann sogar „geschändete“ Fee wandelt sich in die böse Hexe. Doch das Drehbuch versäumt es, nachvollziehbar zu verdeutlichen, warum der spätere König Stefan derart niederträchtig wird, seiner Geliebten sogar die Flügel zu kappen und ihr so einen Teil ihrer Macht zu nehmen. Sei’s drum, die Fronten sind nun so, wie wir sie eigentlich kennen. Das Königshaus kommt ins Spiel, die gerade geborene Aurora – das Grimmsche Dornröschen – ist der Stolz ihrer Familie, wird von drei guten Feen mit Glückswünschen überschüttet. Und dann vom ungeladenen Gast Maleficent verflucht, weil sie sich an König Stefan rächen will. Auch wenn der Film die Perspektive zwischendurch auf Aurora verlagert, die von den guten Feen versteckt im Wald aufwächst, ist „Maleficent“ vor allem eine große One-Woman-Show seiner Hauptdarstellerin: Angelina Jolie. Sie darf sich einerseits in epochalen Schlachten der Menschen erwehren, die ihren Zauberwald ausbeuten wollen, andererseits die unschuldig-aufgeschlossene Aurora entdecken, der sie heimlich auflauert. Jedoch nicht wie einst der „böse Wolf“ dem Rotkäppchen, um sie zu verschlingen, sondern um ihrem Charme zu erliegen. Dies ist das eigentliche Ereignis des Films: Angelina Jolie dabei zu beobachten, wie hinter ihrer bösen Fassade langsam wieder die gute Fee hervorscheint. Alle anderen Figuren reduziert dieser Auftritt zu blassen Nebenfiguren. Was neben Jolie bleibt, ist noch der technische Aufwand, der je nach Kinostandard mal eindrücklich, mal zugesuppt und unscharf in 3D daherkommt. Vieles erinnert an „Avatar“ (fd 39 663) oder „Herr der Ringe“ (fd 35 197), ohne die Intensität und die Vision der Vorbilder zu erreichen. Selbst an sich nette Sidekicks, wie die in eine Zwergenfee rotoskopierte, nur mit ihrem Gesicht real spielende Imelda Staunton, sind lediglich seltsam uninspirierte Kunstprodukte. Es fehlen das respektlose Fabulieren und die Magie, die die Märchenvariationen der Tschechen oder auch „Shrek“ auszeichnen. Das ist schade angesichts der großen Momente, die hier in Beliebigkeit verpuffen.

