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Filmkritik
In der Komödie „Oh La La – Wer ahnt denn sowas?“ (2024) von Julien Hervé fanden die Eltern eines Brautpaares per DNA-Tests heraus, dass sie keine „echten“ Franzosen sind, sondern Vorfahren aus anderen Nationen und Kulturen in ihrem Stammbaum haben. So erfährt der eingebildete adelige Weingutbesitzer Frédéric Bouvier Sauvage (Christian Clavier), dass ein Indigener von der Ethnie der Cherokee einer seiner Vorfahren ist, während sich beim jovialen Autohändler Gérard Martin (Didier Bourdon) deutsche Wurzeln finden. Zwischenzeitlich haben sich die beiden mit ihrem „fremden“ Erbgut einigermaßen arrangiert. Auf Drängen ihrer Ehefrauen Catherine (Marianne Denicourt) und Nicole (Sylvie Testud) sind sie bereit, bis zur Heirat ihrer Kinder Alice (Chloé Coulloud) und François (Julien Pestel) damit Ruhe zu geben. Bei einem Umtrunk stoßen alle sechs beherzt miteinander an: „Auf unsere Hochzeit, ohne Drama und ohne Streitereien!“
Zu null Prozent Franzose
Doch es geht nichts über gute Vorsätze. In der Realität halten sie meist nicht lange vor. So auch bei Frédéric und Gérard. Der erste Test ergibt sich schon beim Umtrunk, denn Nicole mag keine Bordeaux-Weine, die ihr Ehemann produziert. Man einigt sich schließlich darauf, eine Kiste Wein aus dem Burgund zu beschaffen, der auch Nicole schmeckt. Doch kurz darauf sorgt ein neuer DNA-Test für Turbulenzen. Denn dabei kommt heraus, dass Frédéric zu 85 Prozent Türke ist. Da die restlichen 15 Prozent des Erbgutes auf einen Cherokee zurückgehen, muss sich ausgerechnet der patriotistische Winzer eingestehen: „Ich bin zu null Prozent Franzose.“ Bald darauf meldet sich auch noch ein türkischer Cousin, dem Fédéric unlautere Absichten unterstellt.
Doch dem Autohändler Gérard geht es nicht besser. Weil der erste Gentest angeblich unzuverlässig war, lässt er ihn wiederholen. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Er stammt zu 50 Prozent von einem deutschen Vater und zu 50 Prozent von einer algerischen Mutter ab. Also auch hier: null Prozent Franzose.
Während die beiden Männer mit ihrer Identität hadern und sich immer mal wieder zanken, stürzen sich ihre Frauen in die Vorbereitungen der Hochzeit. Als Nicole ihren Mann bei einer Lüge ertappt, hat sie genug und wirft ihn aus dem Haus. Fédéric darf ihm folgen, sodass die beiden zunächst eine gemeinsame Unterkunft beziehen – und sich erst recht heftige Wortgefechte liefern.
In dem Fortsetzungsfilm „Oh La La 2 – Neue Tests, neues Chaos“ lässt der Drehbuchautor und Regisseur Julien Hervé neue Ideen weitgehend vermissen. Er kopiert, recycelt und variiert vielmehr Themen und Witze des ersten Teils. So huldigt er erneut nationalen Vorurteilen, wenn statt eines deutschen Zimmers nun ein verstecktes Zimmer mit algerischem Dekor auftaucht. Schlimmer als derartige Selbstkopien aber ist das Herumreiten auf dem ohnehin schwachbrüstigen dramaturgischen Element des DNA-Tests. Schon der erste Teil blieb die Antwort auf die Frage schuldig, wieso es Menschen glücklicher machen soll, wenn sie ihr Erbgut durchforsten und eruieren, woher ihre Vorfahren stammen. Auch in der Fortsetzung dienen diese Tests nur als fade Aufhänger für allerlei humoristische Verwicklungen.
Wie wird man Algerier?
Die neue Boulevardkomödie gibt sich insgesamt etwas versöhnlicher als der Vorgängerfilm. Wieder werden nationale Stereotypen, Klischees und Vorurteile der Franzosen über andere Völker und umgekehrt bemüht, allerdings nicht mehr ganz so provokant. Die Gags bleiben flau. Einer der wenigen gelungenen Einfälle besteht darin, dass Gérard Algerier werden will und im algerischen Konsulat vorspricht. Dort schauen ihn die Beamten erst ungläubig an und lachen ihn dann aus.
Das Darsteller-Sextett aus „Oh La La – Wer ahnt denn sowas“ steht erneut vor der Kamera. Christian Clavier und Didier Bourdon liefern sich erneut zahlreiche verbale Duelle in der Manier des Boulevardtheaters. Dabei prallen Spießerattitüden und Standesdünkel, Snobismus und Chauvinismus aufeinander, deren süffisante Spitzen aber hinter den heftigen Tiraden des ersten Films zurückbleiben. Denn Frédéric und Gérard müssen jetzt immer wieder am gleichen Strang ziehen. Während Clavier als adliger Ignorant oft zu dick aufträgt, überrascht der Darsteller mit einer kurzweiligen Doppelrolle - er verkörpert auch Frédérics türkischen Cousin.
Marianne Denicourt muss als Caterine nicht viel mehr als lächeln, und auch Chloe Coulloud wirkt unterfordert, weil ihre Figur der Alice wenig Substanzielles zum Plot beizusteuern hat. Noch farbloser agiert Julien Prestel als biederer Bräutigam. Nur Sylvie Testud wird als Nicole mehr gefordert, da sie während des ganzen Films tapfer Englisch lernt, sich aber in den Sprachübungen äußerst ungeschickt anstellt. Ihr mutet die Regie auch den schlimmsten Kalauer zu: Statt „Thank You“ muss Testud immer wieder „Fuck You“ sagen.








