SERPICO










- Veröffentlichung28.03.1974
- RegieSidney Lumet
- ProduktionsländerVereinigte Staaten
- TMDb Rating7/10 (2114) Stimmen
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Erzählt wird die Chronik eines jungen Streifenpolizisten, der mit hohen Idealen seinen Dienst antritt, aber bald feststellt, daß Recht und Ordnung bei der Polizei nicht in den besten Händen sind. Aussichtslos wie ein Kampf mit einer vielköpfigen Schlange ist sein Aufbegehren gegen Korruption, Illegalität und brutale Gewalt. Bestechlichkeit bis in hohe Chargen blockiert seine Versuche, den Skandal aufzudecken, bis er sich entschließt, über die Presse die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Von nun an ist Serpico Freiwild für beide Seiten - Gangster und Kollegen, die den eigenwilligen, durch unkonventionelle Methoden erfolgreichen, "sauberen" Kollegen offen mit ihrem Haß verfolgen. 800 Dollar pro Nase und Monat steuerfrei nebenbei sind schließlich kein Pappenstiel! Al Pacino gestaltet die Rolle des unheldischen "Helden" durch alle Stadien seiner Entwicklung so überzeugend, daß der Zuschauer der Handlung trotz etwas zu breiter Ausmalung und der oftmals störenden emotionalen Musik bis zum Ende mit anhaltendem Interesse folgt. Was Sidney Lumet da ganz lapidar feststellt, ist: Wenn sich die Wogen geglättet haben, geht alles weiter wie bisher. Und da der geschilderte Fall authentisch ist ("Serpico" lebt heute in der Schweiz), ist kaum zu bezweifeln, daß diese pessimistische Prognose zutrifft. Lumets nüchtern-dokumentarhafter, doch atmosphärisch außerordentlich dichter Film bestätigt, was die Polizeifilm-Welle aus den USA deutlich gemacht hat: Was Skrupellosigkeit und Brutalität angeht, sind Gangster und Polizei weithin angeglichen, in diesem Fall sind sie sogar in gewisser Weise Partner. Wo ist da ein Ausweg? Serpico resigniert schließlich vor dem Dschungel. Auch Lumet sieht offensichtlich einen Ausweg aus dem Sumpf nur in rigorosen Maßnahmen der Legislative. Amerika braucht Harry Calahan ("Dirty Harry", "Calahan"); ein sensibler, geistiger Typ wie Serpico ist da fehl am Platz, muß zwangsläufig scheitern. Die Tendenz zur Radikalisierung ist nicht zu übersehen.

