Sinn und Sinnlichkeit







- Veröffentlichung15.10.2026
- RegieGeorgia Oakley
- ProduktionVereinigtes Königreich (2026)
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Filmkritik
Rund 30 Jahre ist es her, dass mit „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995) die erste Verfilmung des Romans von Jane Austen in die Kinos kam. Der Film von Ang Lee verzauberte nicht nur Austen-Fans, sondern sprach mit seiner Mischung aus Kostümfilm und Tragikomödie auch ein größeres Publikum an. Die Kritiker waren ebenfalls überwiegend begeistert. „Lebendig und geistreich, perfekt gecastet und gespielt“, sagten die einen, „Es ist eine Freude, den Film anzuschauen“, sagten die anderen. Und der „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ befand: „Ein kulinarischer Genuss von zeitloser emotionaler Kraft.“ Dafür gab es den „Goldenen Bären“ auf der Berlinale 1996, einen „Oscar“ für das Drehbuch von Emma Thompson, die sich damit erstmals als Autorin bewies, und noch mehrere Nominierungen. Thompson, die als Elinor Dashwood auch die Hauptrolle spielte, und die noch junge Kate Winslet als ihre Schwester Marianne erklommen über Nacht einen Höhepunkt ihrer Karriere.
Es gab auch andere Stimmen, die sich über den „munteren Plauderton“ mokierten. Schließlich geht es hier um Frauen in einem Jahrhundert, in dem sie sich nur über die Heirat mit einem Mann eine sorgenfreie Zukunft sichern konnten; Humor schien da nicht für jeden angebracht. Allerdings hatte schon Jane Austen einen satirischen Unterton vorgegeben, und am Schluss siegt nicht das wirtschaftliche Kalkül, sondern die romantische Liebe.
Die gute Zeit ist vorbei
Nun kommt eine Neuverfilmung ins Kino, geschrieben von Diana Reid, inszeniert von Georgia Oakley. Die Handlung ist auch im neuen „Sinn und Sinnlichkeit“-Film noch dieselbe. Im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts vererbt Vater Dashwood, ein Angehöriger des Landadels, seinem geizigen Sohn aus erster Ehe nicht nur das gesamte Vermögen, sondern auch den Familiensitz Norland Park in Sussex. Nach dem Tod des Vaters müssen seine zweite Frau und deren drei Töchter, darunter die Schwestern Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne (Esmé Creed-Miles), in einem schlichten Cottage in Devonshire unterkommen. Ihr angenehmer Lebensstandard ist mit einem Mal perdu. Immerhin findet Marianne in Colonel Brandon (Herbert Nordrum) rasch einen Verehrer, doch er ist so stocksteif und zurückhaltend, dass der Funke bei ihr nicht überspringen will. Viel lieber wäre sie mit John Willoughby (Frank Dillane), einem extrovertierten Lebemann, zusammen. Doch anstatt ihr einen Heiratsantrag zu machen, reist der Hallodri urplötzlich ab.
Elinor genießt hingegen die Aufmerksamkeit von Edward Ferrars (George MacKay), dem Schwager des geizigen Dashwood-Sohns. Doch beide sprechen ihre Gefühle füreinander nicht aus; zu groß scheint der gesellschaftliche Unterschied, zu unüberwindlich die familiären Hindernisse. Denn Ferrars’ Mutter würde einer Verbindung niemals zustimmen. Eine Reise nach London soll für Ablenkung sorgen, doch stattdessen lüften sich dort einige unangenehme Geheimnisse.
Die Unruhe des Herzens
„Sinn und Sinnlichkeit“ spielt in einer fernen Vergangenheit, doch der Themenkreis um Ehrlichkeit, Offenheit und Liebesfähigkeit ist noch immer erstaunlich modern. Denn die Figuren halten mit ihren Gefühlen und Absichten hinter dem Berge und sagen selten, was sie meinen. „Ich wünsche mir, glücklich zu sein“, verrät einmal eine der Schwestern; es geht also um Selbstverwirklichung und persönliches Glück, auch wenn gesellschaftliche Konventionen der Liebe im Wege stehen. Dazu gehört auch die schwesterliche Verbundenheit, denn nur gemeinsam können die Dashwoods sich unterstützen.
Dabei kommt, noch stärker als in der Ang-Lee-Adaption, der Zeichnung der Natur eine besondere Bedeutung zu: Tiere, Insekten und Schmetterlinge bezeugen die Verbundenheit mit der Natur und scheinen das menschliche Gefühlsleben zu spiegeln. Die Landschaft mit Teichen, Wiesen und Sträuchern bildet den perfekten Hintergrund, während ein ständiger Wind für Unruhe sorgt, so, als wolle er die Unruhe der Herzen kommentieren.
Zusammen mit der liebevollen Ausstattung und dem detailfreudigen Kostümdesign entführt der Film glaubwürdig ins 18. Jahrhundert und wirkt damit schlichter und authentischer als der Vorgängerfilm, der etwas zu sehr mit seinen imposanten Landschaftsaufnahmen angab. Mutig ist auch Oakleys Entscheidung, vor allem unbekannte Schauspieler zu besetzen und sich auf deren unverbrauchte Gesichter zu verlassen. Besonders Daisy Edgar-Jones ragt aus dem Ensemble hervor, weil sie die heimlichen Gefühle ihrer Figur durch Blicke und Gesten spürbar macht. Sie interpretiert die Rolle der Elinor nicht so quirlig und komisch wie Emma Thompson, wirkt gerade darum aber reifer und klüger, gelassener und glaubwürdiger.
Dabei wandelt sich Elinors anfängliche Schüchternheit hin zur Entschlossenheit, um ihr Lebensglück nicht zu gefährden. Im Zusammenspiel mit Esmé Creed-Miles gelingt ihr darüber hinaus eine Herzlichkeit und Zugewandtheit, die die enge Beziehung zu ihrer Schwester – trotz aller Unterschiedlichkeit – noch einmal unterstreicht. Mit anderen Worten: Die Neuverfilmung muss sich nicht hinter dem früheren Film verstecken.

